
Luftaufnahme beim Schillerkreisel © Dennis Straub
Radfahrende in die Illegalität gezwungen
Der folgende Beitrag zeigt Mängel bei den Rad-Anschlüssen von der Oststadt zur Heidenheimer Innenstadt auf. Der abrupte Wechsel von einer sicheren Radler-Führung zur fehlenden Führung verunsichert insbesondere Schüler.
Die Römerstraße hat seit ein paar Jahren eine neue Straßenoberfläche. In beiden Fahrtrichtungen gibt es einen Fahrradschutzstreifen. Er macht das Radfahren sicher, sofern Autofahrer den Sicherheitsabstand einhalten und nicht auf dem Radweg halten oder parken. Parallel dazu, in der Bühlstraße lässt es sich ebenfalls gut radeln. Sie hat eine neue Straßenoberfläche bekommen und die Geschwindigkeit ist auf 30 km/h beschränkt. Fahren Radfahrende aber stadteinwärts sind sie ab der Friedrich-Ebert-Straße auf sich allein gestellt. Sie radeln sogar teilweise am Rande der Legalität.
Die bisherige Rad-Führung im Übergaang von der Oststadt zur Innenstadt stammt noch aus einer Zeit, in der Radler als unterprivilegierte Verkehrsteilnehmer galten. Dies hat sich zugunsten einer Gleichberechtigung geändert. Demzufolge ist auch die Verkehrsführung an den Zeitgeist anzupassen.
Wie verhalten sich Radelnde aus der Oststadt beim Schillerkreisel?
Situation Bühlstraße/Schillerkreisel – gestrichelte Linie: so fahren Radler*innen eigentlich illegal
Die Karte zeigt die Wege von drei Radlertypen: Die einen biegen in der Römerstraße links in die Hühlenstraße ab. In der Bühlstraße fahren sie bis zum Zebrastreifen, überqueren diesen und fahren auf dem Fußweg um die Ecke zum Zebrastreifen, welchen sie ebenfalls überqueren, um auf den stadteinwärts führenden Radweg zu gelangen.
Ein Teil derer, die von der östlichen Bühlstraße und solche, die von der Hühlenstraße kommen, fahren bereits auf Höhe der Schiller-Turnhalle auf den Bürgersteig. Unter den Radlern die von der östlichen Bühlstraße kommen, sind viele Werkgymnasiasten. Vor allem die jüngeren fahren vom Werkgymnasium direkt auf den linksseitigen Bürgersteig, dann über den Max-Eyth-Weg in die Bühlstraße.
Ein dritter Radlertyp fährt auf der Robert-Koch-Straße zur südlichen Friedrich-Ebert-Straße und zum Zebrastreifen, der dann ebenfalls überquert werden muss. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass dieser auf Fußgänger achten muss, deren Weg gekreuzt werden muss, um auf die rechte Seite des Geh- und Radwegs zu gelangen.
Weil den Radlern im weiteren Bereich um den Schillerkreisel keine klare Rad-Führung angeboten wird, sind im Allgemeinen zwei Verkehrsverstöße zu beobachten und dies sehr häufig: das Radeln auf dem Bürgersteig und das radelnder Weise Überqueren der Zebrastreifen, auch wenn sich ein Fahrzeug nähert. Die Radler nehmen wohl an, sie hätten da grundsätzlich Vorfahrt, denn die allermeisten verhalten sich so. Es grenzt an ein Wunder, dass dort soweit der ADFC weiß, noch nichts passiert ist, was entweder darauf zurückzuführen ist, dass auch Autofahrer über die Rechtslage nicht im Bilde sind oder sie die forsch über den Zebrastreifen fahrenden Radler nicht gefährden wollen.
Wie stellt sich die Situation dar, wenn man aus der Innen- in die Oststadt fährt. Der Radweg mündet direkt in den Zebrastreifen. Fährt ein Radler aus dieser Richtung auf den Zebrastreifen, hat er in der Regel eine höhere Geschwindigkeit. Insofern spitzt sich die Problematik am Zebrastreifen zu. Die Radler müssen auf der anderen Straßenseite jedoch im Gegensatz zum Hinweg nicht zwingend auf den Bürgersteig fahren, sondern können auf der Fahrstraße für ein kurzes Stück den Kreisverkehr nutzend in die Bühlstraße einbiegen.
Radler können die schlechte Lösung am Zebrastreifen umgehen, indem sie die Einfädelungsspur wählen, die kurz vor dem Kreisel in die B 466 mündet. Die Radler fahren dann in den Kreisverkehr und verlassen diesen meist in Richtung Bühlstraße. Indes trauen sich viele das Einfädeln in die Theodor-Heuss-Straße nicht zu und meiden den Kreisverkehr.
Wie verhalten sich Radelnde am Ende der Römerstraße?
Situation am Ende der Römerstraße – gestrichelte Linie: Radler*innen fahren im Graubereich zur Illegalität (außer in der Unterführung unter der B 19)
Ein Radlertyp biegt links ab. Er begibt sich in den Kfz-Verkehr bis zum Kreisel, nutzt dann für ein kurzes Stück den Kreisel und biegt bei der ersten Ausfahrt in die Theodor-Heuss-Straße ab. Umstritten ist, ob er eigentlich den Galerie-Radweg parallel zur Theodor-Heuss-Straße nehmen müsste. Dies ist aber kaum möglich, denn dazu müsste er spitzwinklig in diesen einfahren (siehe Titelbild). Abgesehen davon wäre er im Kreisverkehr stärker gefährdet, weil er erst die zweite Ausfahrt nimmt und Autofahrer an dieser Stelle schnell in den Kreisverkehr einfahren.
Die Variante, aus der Römerstraße in die B 466 links abzubiegen ist für versierte Radler zurzeit die schnellste zur Innenstadt. Aufgrund des leichten Gefälles bis zur Unterführung in der Theodor-Heuss-Straße schwimmen sie im Verkehr mit und stellen somit weder eine Behinderung für den Kfz-Verkehr dar, noch setzen sie sich übermäßigen Gefahren aus, dies umso weniger, als demnächst die Geschwindigkeit auf 30 km/h herabgesetzt werden soll. Etwas kritischer ist der leicht ansteigende Abschnitt nach der Unterführung.
Ein anderer Radlertyp fährt am Ende der Römerstraße „geradeaus“. Um sich nicht schutzlos der Kfz-Verkehr in der nördlichen Friedrich-Ebert-Straße auszuliefern, benutzt dieser verbotswidrig den Bürgersteig bis zur Unterführung. Diese ist seit Kurzem barrierefrei ausgebaut und für Fahrrad erlaubt. Man muss jedoch schon über artistisches Können verfügen, um die 180-Grad-Kehre auf der Ostseite ohne Absteigen zu meistern. Schade, dass die Gegebenheiten keinen tauglicheren Ausbau ermöglicht haben.
Die erste gute Lösung für Radfahrende aus der und in die Oststadt
Eine gute Lösung wäre aus Sicht des ADFC, den Radlern eine sichere Führung im Bereich um das Schillergymnasium anzubieten. Der Schillerkreisel ist eigentlich für Radfahrer gut geeignet, da er (ohne den Innenkreis) genau so bemessen ist, dass kein Kraftfahrzeug überholen kann, es sei denn es benutzt den für Lkw vorgesehenden Innenkreis.
Die Abbildung unten zeigt die Abmessungen eines idealen Kreisverkehrs. Der Radweg wird etwa 10 m davor so auf die Fahrbahn eingeleitet, dass gegenseitig gute Sichtbeziehungen bestehen. Das Einfädeln erfolgt nach dem Reißverschlussverfahren (StVo an Engstellen). Fahrrad und Kfz sind gleichberechtigt.
Abb. KIT, Dr. Ing. Matthias Zimmermann Innerstädtische Verkehrsanlagen
Die beengten Verhältnisse beim Schillergymnasium erlauben keinen Radweg, der um den Kreisel herumgeführt wird. Überdies ist ein solcher nicht unbedingt der sicherste, da oft unklar ist, ob dann Radfahrende Vorfahrt haben oder nicht. Eindeutig sind dagegen die Vorfahrtsregelungen, wenn Radfahrende und Kfz-Verkehr in den Kreisel einfahren.
Zunächst müssen alle einmündenden Straßen in Fahrtrichtung zum Kreisel so umgebaut werden, wie es die Abbildung zeigt. Die bereits vorhandene Einfädelspur in die B 19/ Theodor-Heuss-Straße muss entsprechend angepasst werden. Hier muss insbesondere darauf geachtet werden, dass die Sichtbeziehungen verbessert werden. Die Ausfahrten aus dem Kreisverkehr müssen, anders als in der Zeichnung nicht eigens verändert werden. In Richtung Osten gibt es nur zwei Ausfahrten, die von Radlern genutzt werden: die südliche Friedrich-Ebert-Straße und die Bühlstraße, in Richtung Westen nur eine: die Theodor-Heuss-Straße.
In der Theodor-Heuss-Straße sollte stadteinwärts ein Radweg oder Radfahrstreifen anlegt und das Abbiegen in die Ludwig-Lang-Straße sicher gemacht werden.
Der Zwei-Richtungs-Galerie-Radweg wird in einen Ein-Richtungsradweg Richtung Osten umgewandelt, wobei dieser in die Einfädelspur übergeht, also nicht mehr bis zum Zebrastreifen in der südlichen Friedrich-Ebert-Straße weitergeführt wird. Eine Weiterführung kommt allenfalls für sehr ängstliche Radlerinnen und Radler, bzw. Kinder in Betracht. Dabei sollte aber dann sichergestellt werden, dass der sie auf dem Zebrastreifen fahrender Weise keine Vorfahrt haben. Regulär wäre dann das Einfahren über den Zebrastreifen nicht mehr möglich.
Sicherheitshalber sollten die Radler, die aus der Römerstraße kommen und links in die Friedrich-Ebert-Straße abbiegen, auch dort einen Radweg oder Radfahrstreifen, zumindest einen Radschutzstreifen vorfinden. Alternativ legt man die offizielle Radroute so an, dass alle Radler in die Hühlenstraße abbiegen müssen, um auf der Bühlstraße zum Kreisel zu fahren. Die letzte Variante erscheint als die sicherere und vermeidet einen Umbau der mittleren Friedrich-Ebert-Straße.
Nach dem Umbau der Zufahrten zum Kreisel sollten Schilder aufgestellt werden, die die Einfädel-Situation schematisch aufzeigen und den Text „Radfahrer einfädeln lassen/im Kreisverkehr nicht überholen“ enthalten. In den ersten Wochen oder Monaten müssen Radler für die Nutzung des Kreisverkehrs fit gemacht werden z.B. durch Elternbegleitung, Unterstützung der Jugendverkehrsschule, Kreisverkehrswacht, Presearbeit, Erörterung des Themas im Unterricht, Polizeipräsenz, etc. Die beabsichtigte Anordnung von Tempo 30 wird die Sicherheit erhöhen.
Die zweite gute Lösung für Radfahrende aus der Oststadt
Es gibt noch eine Lösung, um die Radler zur Innenstadt zu leiten. Diese ist zwar noch sicherer, direkter und schneller, aber wesentlich teurer: eine Fahrradbrücke in Ost-West-Richtung. Diese würde die B 19 und die Bahnlinie überspannen. Vorbild ist die Stadt Tübingen, welche inzwischen die dritte Radbrücke als Verbindung zwischen Südstadt und Innenstadt baut. Die Auf- und Abfahrtsrampen müssten wohl infolge Platzmangels als Wendeln angelegt werden. Für Planer und Architekten ist dies eine Herausforderung, doch machbar und Zuschüsse gibt es auch. In Verlängerung der Römerstraße muss die nördliche Friedrich-Ebert-Straße dann als Radfahrstreifen mit Anschluss zur Auffahrtsrampe ausgeführt werden.
Nach der Brücke sollte möglichst früh eine sichere Links-Abbiegemöglichkeit geschaffen werden, da Radfahrende zum Teil die mittlere und südliche Innenstadt zum Ziel haben. Vorteilhaft wäre es, wenn sie links in die Friedrichstraße abbiegen könnten. Dazu müssten sie vor der Bahnhofstraße einen markierten Spurwechsel vornehmen oder an der Kreuzung mit der Bahnhofstraße eine Linksabbieger-Aufstellungsfläche mit einer Vorrang-Ampelschaltung zur Friedrichstraße nutzen können.
Man kann alle Radfahrenden aus der mittleren und südlichen Oststadt auf diese Brücke lenken, sodass man sich die Umbauten und Kosten der Zufahrten zum Kreisel in der südlichen Friedrich-Ebert-Straße, Bühlstraße und Friedrich-Ebert-Straße sparen könnte. Es verbliebe dort lediglich der entsprechende Umbau der Einfädelspur in die Theodor-Heuss-Straße in östlicher Richtung.
Anmerkung:
Das Konzept ist noch nicht von den Gremien des Vereins verabschiedet.
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