Radweglücke gesucht
Im Sommer rief die SPD-Landtagsfraktion zur Meldung von gefährlichen Radweglücken im Land auf. Im Landkreis geschah dies über die Zeitung.

Ziemlich weit vorne landete die Radweglücke zwischen der Abzweigung von der B 19 und Großkuchen, bzw. der B 466 mit Anschluss vom Neresheimer Raum. Ende November fand dazu ein Treffen des Radverkehrspolitischen Sprechers der Partei, Jan-Peter Röderer mit der neuen Ortschaftsratsvorsitzenden Linda Striebel, zahlreichen Ortschaftsräten, Vertreterinnen der Heidenheimer SPD-Fraktion und des ADFC Heidenheim am Parkplatz beim Aufhausener Umspannwerk statt.
Auf der Kreisstraße nach Großkuchen ist das Radfahren wegen des hohen und ganzjährigen Schwerlastverkehrsaufkommen durch die nahegelegenen Kalksteinsteinbrüche – 400 Lkw täglich – und der Bergstrecke mittlerweile zu gefährlich geworden. Die Großkuchener warten schon seit mehr als 10 Jahren auf „ihren“ Radweg, nachdem Nattheim seinen bereits in den 80-er Jahren und Oggenhausen einen solchen 2018 bekommen hatten.
Im Jahr 2018 hatte der Landkreis einen ersten Plan vorgelegt. Diesem widersprach Hans-Martin Hartmann mit einem Leserbrief heftig, sah der Plan doch eine 4-malige Querung der K 3009 vor. Vor Jahresfrist dann hieß es, dass nur noch zwei Mal gequert werden müsse, nämlich direkt an der Abzweigung bei der B 19 und noch einmal im oder nach dem Kurvenbereich beim Umspannwerk. Denn zwischen beiden Punkten liegt rechter Hand in Richtung Großkuchen ein FFH-Schutzgebiet, in das nicht eingegriffen werden dürfe, so die Sitzungsvorlage des Landratsamts. Als Umfahrung sollte ein noch unbefestigter Feldweg dienen, der knapp 100 Meter länger ist als der direkte Weg entlang der Kreisstraße, was einen Zeitverlust mit sich bringt. Nicht wegen des Zeitverlusts, sondern wegen des Eingriffs in landwirtschaftliches Gebiet und wegen der Lebensgefahr an den Querungsstellen, wehrten sich einige Kreisräte, mehrheitlich Landwirte im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt vehement. Hoffnung auf einen durchgehenden Radweg machte Landrat Polta mit seiner Aussage: „Wir prüfen das noch einmal.“
Bereits im Sommer 2023 war es zu einem Treffen des ADFC, zwischen Johannes Metzger und Hans-Martin Hartmann, mit dem ehemaligen Ortschaftsratsvorsitzenden Josef Weber und dem damaligen Stadtrat, Frank Rebmann gekommen. In der Zeit der Ampel wurden Radwege noch mit 90 Prozent der Kosten gefördert, klärten die ADFC-ler auf. Da sich die Stadt Heidenheim und der Landkreis die Kosten teilen, wären beide zu einem günstigen Radweg gekommem. Derzeit liegt die Förderquote bei nur 60 Prozent. Man hatte damals aber keinen fertigen Plan in der Schublade.
Nachdem es im März dieses Jahres noch schien als könne man den Radweg doch durchgehend rechts in Richtung Großkuchen weiterplanen, ohne ins FFH-Gebiet einzugreifen, ruderte das Landratsamt zurück. Derzeit läuft aber eine Untersuchung, eine sogenannte Kartierung, in die schützenswerte Arten standortgenau eingetragen werden. Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde, die beim Landratsamt angesiedelt ist, soll erst im Frühjahr geklärt sein, ob doch durchgehend rechts geplant werden kann oder nicht.
Nach Überzeugung des ADFC ist es in Zukunft dringend erforderlich, Radwege fertig zu planen, um bei günstiger Gelegenheit den Zuschlag zu bekommen. Zum Beispiel hat der Landkreis 10 - 12 vom Regierungspräsidium gut geheißene Strecken auf der Liste, wie zum Beispiel zwischen Steinheim und Bartholomä. Als eine solche günstige Gelegenheit betrachtet der ADFC Gelder aus dem 500 Milliarden schweren Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz des Bundes. „Der Radweg-Neubau nach Großkuchen erfüllt in idealer Weise beide Investitionsziele“, sagt Johannes Metzger.
Im Nachgang bedankte sich Linda Striebel sehr bei den beiden ADFC-lern für ihre Expertise, wörtlich: “Ihre Anwesenheit hat einen großen Mehrwert für alle Beteiligten dargestellt.”